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Darkseed (13.01.2005)

wir wollten ein Album schreiben, das 100% die Band wiedergibt

Darkseed

Die Münchner Gothic Metaller Darkseed werden ihren sechsten Longplayer mit zwölf Songs für Massacre Records am 24. Januar 2005 veröffentlichen. Kompromisslos tiefe Gitarren, ausgefeilte Elektronikarbeit, die nicht in Selbstdarstellung ausartet, sondern stets zur atmosphärischen Untermalung dient, melodisch düsterer Gesang im Wechselspiel mit der unverkennbar durchbrechenden harten Stimme - verpackt in eingängige Songstrukturen - das zeichnet »Ultimate Darkness« aus.
Nicht Blut und Rosen definieren das textliche Spektrum der Band, sondern allgegenwärtige Probleme, universal und individuell. Darkseed politisieren, ohne dabei aufdringlich oder belehrend zu sein. Unterhaltungsmusik mit einem gehörigen Schuss Nachdenklichkeit, Gesellschaftskritik, Poesie. All das verschmilzt in »Ultimate Darkness« zu einer erbarmungslos musikalischen Wand, die hinterfragen will oder schlicht und einfach genossen werden möchte - die Entscheidung trifft der Hörer.
Sänger Stefan Hertrich wurde auf den Zahn gefühlt und erläutert uns einige wichtige Dinge im Zusammenhang mit Darkseed!

Wie habt ihr Euch kennen gelernt? Und wie seid ihr auf die Idee gekommen, zusammen eine Gothic Metal Band zu gründen, daaamals ...?

Da es Darkseed bereits seit zwölf Jahren gibt und die Zeit stets mit Besetzungswechseln übersät war, ist die Frage nach dem Kennenlernen etwas schwierig innerhalb eines Interviews zu beantworten. Mit mir am längsten ist Gitarrist Tommy Herrmann in der Band, wir haben uns auf einem Konzert 1995 kennengelernt, bzw. einige Wochen früher am Telefon und dieses Konzert als Besprechungsort ausgesucht (wohl nicht so sinnvoll, weil es sehr laut war).
Gegründet wurde die Band 1992 von mir und einem benachbartem Freund, einfach aus dem Grund, warum immer Bands gegründet werden: Spaß an dieser Art von Musik, und der Drang/Wille, auch mal auf einer Bühne zu stehen. Dass ich das mehr als ein Jahrzehnt immer noch mache, dazu noch mehr oder weniger beruflich, hätte ich nicht gedacht.

Ihr habt keinen Frauengesang in der Band, der ja klassisch ist für eine Gothic Metal Band. Warum ist das so? Ich meine, wolltet ihr Euch bewusst von dieser klassischen Art von Gothic Metal wegbewegen?

Wir wollten ein Album schreiben, das 100% die Band wiedergibt. Wir haben früher des öfteren mit weiblichem Gesang gearbeitet, aber heutzutage klingt das allzu leicht nach »typischem Gothicmetal«, was wir vermeiden wollten. Unsere Botschaft lautet bei diesem Album »Es steht Darkseed drauf, es ist 100% Darkseed drin« (auch was die Aufnahmen im eigenen Studio betrifft). Zumal wir uns im Zeitalter von Bands mit ausschließlich weiblichem Gesang als »männliche Alternative« (ja, klingt doof) mit viel Härte auf dem Gothic-Metal-Markt präsentieren wollen.
Da wir 2005 viel live spielen wollen, ist es auch songdienlicher. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, einige Songs dieses Albums noch einmal in Form einer Mini-CD aufzugreifen, vielleicht alles darkwaviger und dann mit Schwerpunkt Frauengesang, nicht nur die üblichen drei bis vier Zeilen.

Immer mal wieder sickert der Name Darkseed durch, allerdings gibt es nie eine große Story zu lesen etc., obwohl ihr schon immer auf großen Labels zu Hause wart und den Gothic Metal geprägt habt ...

Da greifst du einen guten Punkt auf. Da muss ich allerdings uns die Schuld in die Schuhe schieben. Unsere Musik war selten gut produziert und auch in punkto Songwriting hat es nie gereicht, wirklich Aufmerksamkeit zu erregen, da das Material nie einfach zu verdauen war (zu viel musikalische Information auf einmal, sehr schwermütig etc.). Das ganze dann noch gepaart mit den mangelnden Live-Auftritten. Wir waren bisher stets ein Insidertipp, aber die Fans, die zu uns gefunden haben, sind uns seit vielen Jahren treu geblieben. Für diese Fans ist auch die Bonus-CD gedacht. Sie enthält viele alte unreleased Tracks, die zwar nicht viel mit den heutigen Darkseed zu tun haben, aber doch für die »alten Fans« sicherlich ein willkommenes Geschenk sind. Mit »Ultimate Darkness« werden wir sicherlich mehr Leute ansprechen, da es einfach mehr den gängigen Kritierien in punkto Catchyness und Aussage entspricht.
Die wenigsten Musiker sind mit ihrer ersten Band erfolgreich. Ich hatte vor Darkseed nie eine andere Band, insofern diente Darkseed schon immer als musikalischer Lehrgang, und jetzt kommen wir langsam an einem Punkt an, wo wir wirklich richtig zufrieden mit der musikalischen Entwicklung sind.

Du sagst gerade, dass Darkseed Deine erste Band ist. Ihr seid aber schon seit 1992 im Geschäft und habt schon acht Alben released. Wo ist die große Headliner-Tour?

»Ultimate Darkness« ist das sechste Full-Length Album, davor eine Mini-CD und einen Re-Release. Große Headlinertour, nunja, ich denke die wird es so schnell nicht geben. Wir sind erstmal froh, wieder auf die Bretter zu kommen, und es werden sicherlich einige Headlinergigs dabei sein. Aber für eine Tour im Headliner-Rahmen reicht die Bekanntheit glaube ich noch nicht ganz aus. Aber mal sehen, wie sich die neue CD entwickelt, ich bin zu allen Schandtaten bereit.

Wie sieht es generell aus mit einer Tour oder Konzerten? Gibt es schon ein paar feste Daten oder steht alles noch in den Sternen?

Wir haben mit Extratours einen kompetenten Partner in punkto Konzertorganizing gefunden und rechnen mit recht vielen Einzelauftritten, inklusive Festivals. Konkrete Termine gibt es noch nicht, aber unsere Homepage http://www.darkseed.com/ ist stets auf dem neuesten Stand. Ich denke, dass spätestens Mitte Februar konkrete Termine feststehen.

Das klingt doch schon mal nach Etwas! Auf welchem Festival würdest Du gerne mal headlinen?

Ehrlich gesagt bin ich kein großer Fan von Festivals, ich freue mich eher auf die ganz kleinen Konzerte, auf denen man den Spaß der Fans richtig spüren kann, und nicht nur in ihre müden Augen sieht, weil sie auf dem Festivalgelände schlecht geschlafen haben oder die vorherige Nacht zu lang war.
Ich habe daher keine speziellen Wünsche. Gib mir einen kleinen Club in irgendeinem verlassenen Dorf, lass 100 Leute kommen und alles ist super!

Zurück zum neuen Album »Ultimate Darkness«. Wo habt ihr Euer neues Album »Ultimate Darkness« aufgenommen? Wie sieht die Arbeit aus, wenn ihr Songs schreibt? Wie geht es vonstatten?

Aufgenommen wurde das Album in den bandeigenen Helion Studios unter der Leitung von Darkseed Gitarrist Thomas Herrmann. Dabei lag Tommys Augenmerk auf der Produktion, mein Schwerpunkt mehr auf dem kreativen Part, wobei auch Tommy vier Songs für das neue Album geschrieben hat.
Meine Songs schreibe ich in meiner Wohnung, ein PC, viele Musikprogramme und ein paar externe Effekte reichen dafür vollkommen aus. Zuerst wird ein Gerüst aus reiner Elektronik gebaut (klingt dann wie Darkseed, aber Darkwave), anschließend überlege ich mir über diese Elektronik die Gitarrenriffs (was fast am wenigsten Zeit kostet) und am Schluss wird die Songstruktur unter die Lupe genommen, wobei einiges an Elektronik wieder rausfliegt, weil die Songs sonst zu überladen sind und sich die Elektronik mit den Gitarren oftmals nicht verträgt.
Wenn dann meine neun bis zehn Songs pro Album geschrieben sind, mache ich ein paar Tage Pause und überlege mir Gesangslinien/Texte. Ist das Material fertig, existiert quasi jeder Song als Demo und schon geht's ab ins Studio, wo alles sauber eingespielt und natürlich gemischt wird.

Die Songs auf »Ultimate Darkness« sind ja relativ alt, von 2000. Warum bannt ihr sie jetzt erst auf Platte?

Das »eigentliche« Album (zwölf Songs) haben wir zwischen Juli und August 2004 geschrieben, lediglich die beiliegende Bonus-CD besteht aus unreleased Tracks, die teilweise bis ins Jahr 1997 zurückreichen.

Ah, verstehe! Hat »Ultimate Darkness« ein Konzept oder zumindest einen roten Faden, der sich durch das ganze Album zieht? Welche Themen beinhaltet dieses Album?

Textlich geht es um alles, was mit dem Thema Dunkelheit im realen Sinne zu tun hat. Also nicht abstrakte Themen wie Mythen usw., sondern um all die Dinge, die jeder Mensch in seinem Alltag wegstecken muss. Zerbrochene Beziehungen, Werteverlust in unserer westlichen Gesellschaft, dazu deren Oberflächlichkeit, menschliche Schwächen wie Egoismus, Engstirnigkeit, Zerstörung der Natur usw.
Der Grund liegt darin, dass wir ein sehr enges Verhältnis zu unseren Fans haben und wir sie direkt ansprechen möchten, bzw. wir es als unsere Aufgabe ansehen, das Album so zu gestalten, dass sich der Fan in ihm widerspiegelt. Oder sogar Mut findet und sagt »die singen über genau das, was mich auch aufregt oder verletzt«. Wir verpacken klare Aussagen in einem leicht poetischen Gewand, um die für Gothicmetal nicht unwichtige Ästhethik nicht außen vor zu lassen.
In einem Satz: »Utlimate Darkness« ist für uns der allgemeine Werteverlust, der zu den Dingen führt, die ich ein paar Zeilen weiter oben beschrieben habe. Die Schlangen auf dem CD-Cover stellen dabei die Versuchung dar, die uns immer wieder zu diesem Wertverlust verleitet.

Sehr tiefgründig also und genau das, was man sich von den Bands wünscht, die man hört ... Sag mal, wer hat(te) welches Sideproject am Start und vor allen Dingen warum? Seid ihr nicht genug ausgelastet mit Darkseed? Sollte man sich nicht nur auf eine Band konzentrieren, um mit dieser voranzukommen?

Prinzipiell hast du Recht. Man sollte sich auf eine Band konzentrieren, um diese nach vorne zu bringen. Ausgelastet sind wir durchaus, allerdings brauche ich bei der ganzen Dunkelheit auch mal Licht zwischendurch. Daher mache ich mindestens einmal alle zwei Jahre ein ethnisch angehauchtes Projekt. Mein letztes war Shiva In Exile, eigentlich eine reine Home-Produktion, aber dennoch hat es zu »Bestes New Age/World Album 2004« beim Just Plain Folks Music Award gereicht.
Das Album ist eine recht untypische Mischung aus Soundtrack/Gothic/Elektro mit arabischem/indischem/thailändischem/afrikanischem Gesang. Angespornt durch den gewonnenen Preis werde ich 2005 sicherlich wieder ein ethnisch angehauchtes Album machen, dann aber auf den arabischen Kulturkreis fixiert. Näheres dazu sicherlich bald auf der Darkseed-Homepage.
Die Zielgruppe bei Shiva in Exile war nicht der Gothicfan, das wird sich bei dem nächsten Album jedoch ändern (wobei ich auch die Esoterikladenbesitzer echt okay finde, hehe).

Warum hast Du Dir eine einjährige Auszeit gegönnt?

Nach zehn Jahren Metal, davon acht Jahre mit CD-Releases, war die Luft einfach raus. Der Aufwand war viel höher als das, was es mir gebracht hat, daher habe ich beschlossen, einem normalen Job nachzugehen. Ich habe diese Zeit wirklich genossen und bin nun bei der goldenen Mitte gelandet, also halb Musiker, halb PC-Spiele-Business. Man kann somit wunderbar jeweils von der anderen Hälfte abschalten und hat den Kopf frei. Nur Computerspiele bzw. nur Musik machen würde mir sicherlich wieder den Spaß nehmen.
Musik macht solange Spaß, wie es ein Luxus ist, es machen zu dürfen (z.B. Freizeit, Ferien oder halt als halbes Einkommen wie bei mir im Moment). Sobald du dich aber nur darauf konzentrierst, wird der Druck zu groß und das Einkommen zu niedrig. Daher: Musik soll mir Spaß machen! Das ist das Wichtigste! Viele Musiker verlieren im fortgeschrittenen »Karriereverlauf« das Gefühl der Zeit, in der sie selber noch mit strahlenden Augen vor der Bühne standen.

Klingt logisch ... Was passierte in der Zwischenzeit mit Darkseed?

Vor meinem Ausstieg waren wir zu dritt, nach meinem Abgang haben Tommy und Tom ein komplett neues Line-Up zusammengestellt, daher sind Martin (Bass) und Armin (Keyboards) in der Band. Leider waren die musikalischen Ergebnisse zu weit von Darkseed weg, weswegen in der Zeit kein Album entstanden ist. Am Ende meiner Pause war wirklich wieder Energie da, daher musste es einfach wieder zu einer Zusammenarbeit kommen und ich bin wieder eingestiegen. Obwohl es wirklich nicht geplant war. Es war eine Entscheidung, die innerhalb von wenigen Tagen getroffen wurde.

Das hört sich auf jeden Fall nach Kreativität und Arbeitsdrang an und ich freue mich auf eine Tour nach dem Album, bei der ich Eure Energie spüren werde! Vielen lieben Dank für Deine Zeit!

Auf der Homepage http://www.darkseed.com/ könnt ihr sieben Samples des neuen Albums »Ultimate Darkness« schon einmal vorab hören, u. a. auch den Titeltrack zum PC-Spiel »The Fall« (Silverstyle Entertainment/Koch Media).

Das Interview wurde mit Stefan Hertrich (Vocals) geführt.

Tanja

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CD-Reviews:

CD-Review: Darkseed - Ultimate Darkness


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